wellcomecollection.org/ video-anatomy-of-the-skin.aspx
http://www.biblioteca-medica.com.ar/2011/03/micologia-diapositivas.html
reference.medscape.com/../slideshow/tinea
http://www.urtherapie.de/mykose/
http://de.wikipedia.org/wiki/Tinea_barbae
Dermatophytose
Die
Dermatophytose (Synonym
Dermatophytie, von
altgriechisch τὸ δέρμα,
to derma ‚Haut‘ und τὸ φυτόν,
to phyton ‚Pflanze‘) oder
Tinea (
lat. ‚Holzwurm‘, ‚Motte‘) ist eine durch spezielle Pilze (
Dermatophyten) hervorgerufene
Hautpilzerkrankung. Sie ist beschränkt auf
keratinhaltige Gebilde wie die
Hornschicht der Haut (
Epidermomykose),
Haare (
Trichophytie oder
Trichomykose) oder
Nägel bzw.
Krallen (
Nagelpilz,
Onychomykose). Dermatophytosen zählen zu den häufigsten
Infektionskrankheiten überhaupt und treten weltweit auf.
Dermatophyten sind an bestimmte Hauptwirte angepasst, bei denen oft keine oder nur geringe
Entzündungsreaktionen
ausgelöst werden. Erkrankungen bei Hauptwirten verlaufen daher meist
milder, aber langwieriger, als bei anderen Wirten. Nach der
Hauptinfektionsquelle unterscheidet man hauptsächlich vom Menschen (
anthropophile) und von Tieren (
zoophile) übertragene Erreger. Da auch alle
zoophilen
Erreger für den Menschen krankheitsauslösend sind, stellen die von
ihnen ausgelösten Dermatophytosen von Tieren auf den Menschen
übertragbare Erkrankungen (
Zoonosen) dar. Pilze, die durch den Kontakt mit
Erdboden übertragen werden (
geophile), spielen in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle.
[1][2]
Das klinische Erscheinungsbild ist sehr variabel, meist treten
Hautrötung, vermehrte
Schuppenbildung und
Bläschen auf. Der Erregernachweis ist aufwändig und nur durch Kombination mehrerer Verfahren verlässlich, ohne ihn ist die
Diagnose aber nicht sicher zu stellen. Die Behandlung erfolgt meist mit
Antimykotika, begleitend sollten hygienische Maßnahmen getroffen werden.
Fußpilz (
Tinea pedis) – die häufigste Dermatophytose in Mitteleuropa.
Erreger
Dermatophyten sind
Schlauchpilze (Ascomycota), die
verhornte Hautgebilde besiedeln. Man unterscheidet nach der Nebenfruchtform (
Anamorphe) etwa 30 Arten, die in die drei
Gattungen Epidermophyton,
Trichophyton und
Microsporum eingeteilt werden. Zur Anzahl krankheitsauslösender Arten gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben, da die
Systematik Änderungen unterliegt. Die Hauptfruchtformen (
Teleomorphe) dieser Erreger sind Bodenbewohner und werden der Gattung
Arthroderma
zugeordnet, für einige Dermatophyten sind solche perfekten
(geschlechtlichen) Formen aber bislang nicht nachgewiesen. Im Gegensatz
zu anderen
Hautpilzen (
Hefen,
Schimmelpilze) ernähren sich Dermatophyten von
Keratin und
Kohlenhydraten. Sie können Keratin durch
eiweißspaltende Enzyme (
Keratinasen) aufschließen.
[3]
Dermatophyten sind an bestimmte Hauptwirte angepasst, bei denen nur geringe
Entzündungsreaktionen
ausgelöst werden, was das Überleben der Pilze sichert. Daher verlaufen
solche Infektionen meist milder, aber langwieriger als solche durch
nicht-adaptierte Erreger. Die Hauptwirte können sogar symptomlose Träger
sein und stellen das
Erregerreservoir dar. Sie sind die wichtigste Infektionsquelle für andere Menschen oder Tiere.
[2]
Nach der Hauptinfektionsquelle unterscheidet man hauptsächlich vom Menschen (
anthropophile) und von Tieren (
zoophile)
übertragene Erreger. Alle zoophilen Pilzarten sind vom Tier auf den
Menschen, aber auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Anteil der
jeweiligen Pilze an Erkrankungen des Menschen variiert. So dominieren
beim
Fußpilz anthropophile Erreger, bei
Dermatophytosen im Bereich des Kopfhaars kommen zoophile Pilze dagegen viermal häufiger vor als anthropophile.
[2] Eine Übertragung anthropophiler Erreger auf Tiere ist ebenfalls möglich, wenn auch selten.
[4] Darüber hinaus gibt es auch Pilze, die durch den Kontakt mit
Erdboden übertragen werden (
geophile), diese spielen in der Praxis allerdings nur eine untergeordnete Rolle.
[1][2]
Die wichtigsten Auslöser für Dermatophytosen sind in Mitteleuropa
Trichophyton rubrum (Hauptwirt: Mensch),
Trichophyton mentagrophytes (
var. interdigitale, auch
Trichophyton interdigitale – Hauptwirt: Mensch; var. granulosum – Hauptwirte:
Nagetiere und
Kaninchen),
Trichophyton verrucosum (Hauptwirt:
Rinder) und
Microsporum canis (Hauptwirt:
Katzen).
[2]
Hinsichtlich der Erregerhäufigkeit gibt es jedoch historische und
geografische Differenzen, die ihre Ursache in den unterschiedlichen
Lebensbedingungen haben. So dominierten beim Menschen in Deutschland vor
dem
Zweiten Weltkrieg noch
Microsporum audouinii und
Epidermophyton floccosum. In
Südeuropa und im
Nahen Osten werden die meisten Dermatophytosen beim Menschen von zoophilen Erregern wie
Microsporum canis und
Trichophyton verrucosum verursacht.
[5]
Vorkommen
Dermatophytosen kommen weltweit vor und sind häufige, wenn auch in
den allermeisten Fällen nicht lebensbedrohliche Erkrankungen. Sie treten
bei
Säugetieren,
Vögeln und
Reptilien auf. Das Risiko, im Verlauf seines Lebens an einer Dermatophytose zu erkranken, beträgt beim Menschen etwa 10–20 %.
[6] Damit gehört die Dermatophytose zu den häufigsten
Infektionskrankheiten überhaupt.
[7] Die Krankheitshäufigkeit (
Prävalenz) für den
Fußpilz beträgt in Deutschland etwa 30 %,
[8] für den
Nagelpilz 12,4 %.
[9] Die Prävalenz bei Kindern liegt zwischen 5 und 15 %, die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen (
Inzidenz) nach einer
niederländischen Studie bei etwa 25 pro 1000 Kinder.
[10]
Bei
Hausrindern sind etwa 40 % der Bestände in Deutschland mit
Trichophyton verrucosum infiziert, klinische Erkrankungen (
Rindertrichophytie) treten bei 5 bis 60 % der Tiere innerhalb eines Bestandes auf.
[11] Während die Rindertrichophytie in
Norwegen durch konsequente mehrjährige Impfprogramme nahezu ausgerottet werden konnte (
siehe Abschnitt Impfung), sind in Südeuropa nahezu alle Bestände befallen.
[12]
Eine Studie an überwiegend hautgesunden
Hauskatzen zeigte eine Befallsrate von 21,4 %.
[13] Etwa 90 % der Streuner und praktisch alle Tiere in Katzenzuchten sind meist asymptomatische Träger.
[14] In einer
österreichischen Studie konnte bei 12,4 % der
Haushunde Dermatophyten nachgewiesen werden.
[15] Zum Vorkommen von Dermatophyten bei
Nagetieren und
Kaninchen in
Heimhaltung existieren keine epidemiologischen Angaben. In Laborzuchten wurden Befallshäufigkeiten zwischen 1
[16] und 70 %
[17] gefunden. Hier dominieren ebenfalls symptomlose Träger, Erkrankungen treten vor allem bei
Meerschweinchen auf.
[18]
Krankheitsentstehung
Die Ansteckung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt mit
Sporen. Die Pilzsporen sind außerordentlich resistent gegenüber Umwelteinflüssen und bis zu vier Jahre infektiös.
[19] Die zoophilen Dermatophyten bilden um das
Haar
herum (ektotriche) Sporenrasen, so dass pilzbefallene Haare die
Hauptansteckungsquelle bilden. Auch eine Übertragung der Sporen durch
den Wind und durch Gegenstände (Kämme, Kleidung, Handtücher, Decken,
Fußmatten, Teppichböden…) ist möglich.
Damit es zu einer Pilzerkrankung kommen kann, müssen die Sporen in die
Hornschicht,
Nägel oder Haare eindringen. Dabei müssen sie die mechanische Barriere, die natürliche
Hautflora und das
Immunsystem der Haut überwinden. Einige Dermatophyten bilden
β-Lactam-Antibiotika und können die den Wirt schützende Hautflora schädigen.
[20] Nach Anheftung der Sporen erfolgt ein aktives Eindringen in die
Hornsubstanz durch die Bildung
Keratin-auflösender
Enzyme. Die Fähigkeit zur Bildung verschiedener Enzyme wie
Serin-,
Aspartat- und
Metalloproteasen sowie
Hämolysinen ist ein entscheidender
Virulenzfaktor von Dermatophyten.
[20] Anschließend wachsen aus den Sporen die fadenförmigen Pilzzellen (
Hyphen).
Entzündungen und
mitotisch aktives Gewebe unterbinden die Entwicklung der Hyphen.
[2] Haare werden nur in der Wachstumsphase (
Anagen) befallen, mit dem Übergang in die Haarerneuerungsphase (
Telogen) kommt die Infektion zum Stillstand.
[21]
Neutrophile Granulozyten – eine Unterform der
weißen Blutkörperchen – sind die erste Abwehrfront gegen eindringende Dermatophyten.
Das Ausmaß einer Dermatophytose ist sowohl von der Anzahl der Sporen
und ihrer Virulenz als auch von Wirtsfaktoren wie Abwehrlage und
Mikroklima der Haut abhängig. Nach der Virulenz werden
obligat pathogene Dermatophyten, die generell krankheitsauslösend wirken, und
fakultativ pathogene Dermatophyten, die nur unter begünstigenden Umständen zu einer Erkrankung führen, unterschieden.
[20] Alle zoophilen Dermatophyten sind für den Menschen
obligat pathogen, die von ihnen verursachten Erkrankungen sind also
Zoonosen.
Dermatophytosen kommen häufig durch kleinste Hautverletzungen zum
Ausbruch. Schwere Dermatophytosen treten nahezu ausschließlich bei
Störungen der Abwehr infolge von
Immundefekten oder der Verabreichung das Immunsystem unterdrückender Medikamente (
Immunsuppressiva) auf.
Stress, andere Erkrankungen, Fußfehlstellungen,
Durchblutungsstörungen, Hautfalten infolge von
Übergewicht, häufiger Chemikalienkontakt und ein feucht-warmes Klima sind begünstigende Faktoren.
[20][22]
Keratinozyten bilden bei Kontakt mit Dermatophyten-
Antigenen Interleukin-8, was zu einer Einwanderung
neutrophiler Granulozyten führt, die einen zellabtötenden (
zytotoxischen) Effekt auf Dermatophyten haben.
[23] Der Organismus reagiert auf das Eindringen der Sporen mit einer
Immunantwort mit Bildung von
Antikörpern (
IgM und
IgG). Die
zelluläre Immunantwort vermag die Erkrankung im Regelfall zu stoppen. Diese Immunantwort führt nach Ausheilen der Erkrankung zu einer instabilen
Immunität,
die den Organismus zwar nicht vor einer erneuten Erkrankung schützt,
aber in diesem Fall meist zu einer schnelleren Ausheilung führt. Bei an
den Wirt angepassten Hautpilzen ist die Immunreaktion meist schwach, so
dass die klinischen Erscheinungen ganz fehlen können oder nur schwach
ausgeprägt sind (
latente Infektion). Vermutlich sind von den Dermatophyten produzierte
Glykoproteine in der Lage, die Immunantwort des Wirts abzuschwächen.
[23] Andererseits, vor allem bei nicht-adaptierten Wirten, kann es auch zu einer überschießenden Immunantwort und damit
allergischen Reaktionen vom Typ I und IV (→
Einteilung von Allergien) kommen.
[2] Allergische Reaktionen auf chronische Dematophytosen können vermutlich auch zur Entstehung von
Asthma bronchiale beitragen.
[24] Viele zelluläre und molekulare Details im Ablauf der Abwehrreaktionen auf Dermatophyten sind aber bislang ungeklärt.
[23]
Einteilung und klinisches Bild
...